Impulse

 für Bewusstsein & Wandel 

Sorgen machen

Wir folgen den Bildern, die wir nähren.

Vielleicht hatte bisher der Sommer für Dich auch etwas Leichtes, fast Schwebendes. Die Tage waren weiter, und manche Gedanken verloren für eine Weile ihre Dringlichkeit.

Allzu bald rückt der Alltag wieder näher. Die Ferien gehen zu Ende, Arbeit und Schule beginnen, die Kalender füllen sich. Fragen, die sich während der warmen Sommertage verflüchtigt hatten, drängen wieder in unser Leben hinein.

Auf diese Weise bekommen auch Sorgen wieder mehr Raum.

Im Deutschen sagen wir:
Ich mache mir Sorgen.

Je länger ich über diesen Satz nachdenke, desto mehr fasziniert er mich. Unsere Sprache hätte auch etwas anderes hervorbringen können, zum Beispiel ‘Sorgen kommen über mich’ oder ‘Sorgen befallen mich’.

Doch wir sagen: Ich mache sie mir.
Das ist aktives Tun.

Für mich steckt darin eine Beobachtung, die wir im Alltag kaum noch wahrnehmen.

Gedanken, Gefühle und Vorstellungen greifen ineinander. Wenn wir mögliche Zukünfte entwerfen, Risiken prüfen und einzelnen Bildern so viel Aufmerksamkeit und emotionale Kraft geben, kann es passieren, dass sie unsere subjektive Wirklichkeit zu prägen beginnen.

Was die Geschichte unserer Sprache erzählt

Unser Wort Sorge geht auf das althochdeutsche sorga zurück. Gemeint waren zunächst Kummer und Gram. Doch Sorge trägt in unserer Sprache noch eine weitere Bedeutung: das Bemühen um das Wohlergehen eines Menschen. Wir sorgen für jemanden oder etwas und übernehmen Verantwortung.

Das mittelhochdeutsche vürsorge bezeichnete die Besorgnis vor etwas Zukünftigem. Erst später entwickelte sich daraus die heute vertraute Bedeutung der helfenden und verantwortlichen Zuwendung.

Auch unser Wort Kummer führt in eine überraschende Richtung. Das mittelhochdeutsche kumber konnte Schutt und Müll, aber auch Mühsal, Gram, eine Sperre oder ein Hindernis bezeichnen. Materielle Last und seelische Belastung liegen in seiner Geschichte eng beieinander.

Das Verb kümmern hatte ebenfalls eine schwere Bedeutung: bedrücken, quälen oder bekümmern. Erst mit der Zeit entstand daraus unser heutiges sich kümmern – die Bewegung, mit der wir uns eines Menschen oder einer Sache annehmen.

Mich berührt, dass unsere Sprache diese Zusammenhänge bewahrt hat.

Sorge und Fürsorge.

Kummer und Kümmern.

In beiden Wortpaaren steckt Gewicht. Etwas ist uns wichtig.
Es beschäftigt uns.
Wir richten unsere Aufmerksamkeit darauf.

Aus Belastung kann Zuwendung werden

Die alten Worte erzählen mir von einem Wissen, das wir heute leicht übersehen:
Aus dem Wahrnehmen einer Schwierigkeit kann eine Handlung entstehen, die Verantwortung übernimmt. Sie sucht nach einem Umgang mit dem, was sich uns in den Weg stellt.

Das bekümmernde “Geröll” mag ganz real im Weg liegen.
Aber es ist aber bei Weitem nicht alles, was vor uns liegt.

Es gehört zum Weg, verlangt Aufmerksamkeit und führt vielleicht zu einer Entscheidung für eine andere Route. Doch ob wir im Geröll stehen bleiben oder unseren Blick wieder heben können, hängt auch davon ab, ob es etwas gibt, auf das wir uns zubewegen möchten.

Ein Bild, das uns wach macht, uns zieht, uns aufstehen lässt und sagt:

Da will ich hin. Darauf habe ich Lust.

Unser Geist arbeitet unermüdlich an Zukunft.

Unsere Vorstellungskraft besitzt eine große schöpferische Kraft.
Sie braucht allerdings eine Richtung.

Wir können innerlich an etwas teilnehmen, lange bevor es Wirklichkeit geworden ist, ein mögliches Leben entwerfen und einen Weg gedanklich bereits betreten.
Auf dieselbe Weise können wir an einer vorgestellten Situation leiden, die noch gar nicht eingetreten ist.

Der sorgende Mensch beschäftigt sich mit der Zukunft, entwirft Möglichkeiten, prüft Gefahren und spielt Entwicklungen durch. Seine Aufmerksamkeit beginnt zu selektieren. Immer mehr Hinweise werden entdeckt und führen zu innerer Bestätigung.

Schmaler Weg durch hohes Gras, auf den helles Sonnenlicht fällt

Irgendwann erleben wir ein Zukunftsbild, das allein in unserer Vorstellung entstanden ist.

Dieses Bild kann sich sehr wirklich anfühlen und vollkommen logisch erscheinen. Dabei bleibt Sorge nicht allein im Kopf. Sie verändert unsere Stimmung, unsere Haltung, sie „färbt“ unser Energiefeld und die Art, wie wir anderen Menschen begegnen, auch wenn kein Wort darüber gesprochen wird.

Und doch erleben wir uns häufig so, als würden die Sorgen einfach über uns kommen. Dabei arbeiten wir mit.

Gerade dort, wo unser Einfluss begrenzt ist, gibt der Verstand sich nur allzu gern eine Aufgabe.
Er will sich wirksam erleben. Nicht hilflos.

Solange wir weitertüfteln und vorausdenken und mögliche Schwierigkeiten im Blick behalten, haben wir das Gefühl, etwas tun zu können.

Dabei geschieht vieles so schnell, dass wir kaum noch bemerken, wie viel wir selbst dazu beitragen. Ein Gedanke kommt. Dann der nächste. Gefühle steigen auf, der Körper reagiert. Wir bauen die Geschichte weiter und fügen Einzelheiten hinzu.
Manchmal tragen wir so unbewusst selbst dazu bei, dass sich besorgniserregende Möglichkeitsräume verdichten und wahrscheinlicher werden.

Wo wir beteiligt sind, können wir Einfluss nehmen

Aktive Beteiligung bedeutet nicht, die Sorge wegzudrücken oder sich möglichst schnell positivere Gedanken zu machen. Es beginnt – wie so oft – mit dem Wahrnehmen.

Mit welcher Brille sehe ich die Welt?

Welches Bild baue ich gerade weiter?

Welche Gefühle geben diesem Bild Kraft?

Sorge entsteht häufig aus Liebe, Verantwortungsgefühl und dem Wunsch zu schützen.

Und sie hat meistens eine Geschichte.
Vielleicht ist sie in einer Familie entstanden, in der Sicherheit fehlte. Vielleicht hat ein Mensch früh gelernt, Stimmungen zu beobachten, Gefahren zu erkennen oder Verantwortung zu übernehmen.

Diese Wachsamkeit hatte einen Sinn.
Sie half, sich in einer unsicheren oder wenig verlässlichen Umgebung zu orientieren.

Mit der Zeit kann eine früher sinnvolle Bewegung ihren Bezug zur gegenwärtigen Situation verlieren. Dann wirkt die Sorge wie eine treue Mitarbeiterin, die ihre Aufgabe zuverlässig fortsetzt, weil ihr niemand gesagt hat, dass sich die Situation längst gewandelt hat.

Darin liegt die Würde unserer Sorgen.

Sie wollten uns einmal helfen, uns vorbereiten und davor bewahren, dass sich etwas Schmerzhaftes wiederholt. Wenn wir jedoch jeden Blick in die Zukunft mit Misstrauen belegen, verlieren wir leicht aus den Augen, was uns ruft:
Die Bilder, bei denen wir spüren – Dafür möchte ich losgehen!

Ich denke dabei oft an die Metapher des Bergsteigens.

Wer auf einen Berg steigen möchte, weiß, dass es dort Geröll gibt. Steile Passagen, Wetterumschwünge, vielleicht sogar Gletscherspalten.

Trotzdem bleibt der Blick nicht an den Hindernissen hängen.

Wenn Du einen Berg besteigst, richtet sich Deine Aufmerksamkeit auf den Gipfel.
Du kennst Dein Ziel und bereitest Dich vor. Du informierst Dich über die Route, packst Proviant, warme Kleidung und gutes Schuhwerk ein.

Etwas an diesem Berg lässt Deine Augen leuchten.

Die Sorge darf prüfen, vorausdenken und an das erinnern, was wir für den Weg brauchen. Die Begeisterung bringt uns überhaupt erst dazu, loszugehen.

Unser Geist braucht eine klare Richtung

Wandernde Person auf einem grünen Berggrat auf dem Weg zum Gipfel

Das Sorgenmachen fragt: Was könnte schiefgehen?

Das lebendige Ziel fragt: Wie komme ich hin, und was brauche ich für meinen Weg?

Ein großes Ziel kann uns einen starken Antrieb schenken. Es muss nicht gleich der Mount Everest sein. Zunächst geht es darum, den eigenen Berg zu erkennen. Den, bei dem etwas in Dir lebendig wird.

Es gibt Dinge, die mühsam sind, Übung und Disziplin brauchen und für die wir uns trotzdem kaum überwinden müssen. Weil etwas in uns längst entschieden hat, diesen Weg zu gehen.

Dafür stehen wir früher auf. Wir lernen, üben, trainieren, scheitern und fangen noch einmal an, über das Geröll zu stapfen.

Das Ziel hat bereits begonnen, in uns zu leben.

Der Weg ist dadurch objektiv nicht einfacher geworden. Doch die Begeisterung erleichtert die nächsten Schritte und verändert unsere Beziehung zu den Hindernissen.

Sie verschwinden nicht. Sie bestimmen jedoch nicht mehr, ob wir losgehen.
Sie erinnern uns nur daran, aufmerksam zu bleiben.

Und jeder Schritt schenkt uns etwas, das kein noch so gründliches Nachdenken ersetzen kann:

Das eigene Erleben.

Blumenstrauß auf felsigem Berggipfel mit weitem Blick über die Alpen

Vertrauen wächst aus Erfahrung

Wenn wir losgehen, spüren wir was trägt und merken, wo wir noch Unterstützung brauchen. Wir lernen unsere Kraft und unsere Grenzen kennen. Und während wir dem Leben auf diese Weise antworten, beginnt Vertrauen zu wachsen.

Vertrauen bedeutet nicht, sicher zu sein, dass alles den gewünschten Verlauf nehmen wird. Es wächst aus der Erfahrung, selbst wahrnehmen und entscheiden zu können und dem zu begegnen, was tatsächlich eintritt.

Vielleicht liegt darin eine der größten Einladungen in der Beschäftigung mit unseren alten Wörtern: der Sorge einen Platz zu geben, an dem sie uns tatsächlich helfen kann.

Als kluge Begleiterin darf sie fragen, ob wir genug Wasser dabeihaben und eine warme Jacke eingepackt haben.

Dann tritt sie einen Schritt zur Seite.

So gehen wir los, weil etwas in uns lebendig geworden ist und weil die Freude am Weg übernimmt.

Vielleicht brauchen wir weniger innere Bilder von allem, was uns aufhalten könnte, und wieder mehr Bilder eines Lebens, das uns wirklich ruft. Mehr Freude und Lust auf eine selbstbestimmte Richtung – ein Zukunftsbild, das uns in Bewegung bringt.

Die Sorge darf mitkommen.

Dort, wo sie zu Fürsorge wird.

Und während wir gehen, beginnt aus diesem Möglichkeitsraum Schritt für Schritt und Handlung für Handlung eine neue Wirklichkeit zu entstehen.

Grüße von Herzen,
Birgit Gentis

© 2026 Birgit Gentis – Schamanisches Mentoring & Energiearbeit

Warum ich mich mit Sorgen beschäftige

Mich interessiert, wie Menschen aus der Enge des Sorgenmachens wieder Zugang zu ihren eigenen Zukunftsbildern finden. In meiner Praxis begleite ich sie dabei, ihren persönlichen “Berg” wieder zu erkennen – das persönliche oder berufliche Ziel, das Begeisterung weckt, Freude zurückbringt und Kraft für den nächsten Schritt gibt.

Wenn Du merkst, dass Sorgen Deine Vorstellungskraft, Deine Zuversicht oder Deine Handlungsfähigkeit zunehmend einschränken, kann mein schamanisches Mentoring Dich dabei unterstützen, die Angst hinter den Gedanken zu verstehen und wieder eine tragfähige Verbindung zu Deinen Möglichkeitsräumen aufzubauen.

Dieser Artikel dient der Inspiration und ersetzt keine medizinische, psychotherapeutische oder heilkundliche Behandlung.

Birgit Gentis in Dankbarkeitshaltung – Symbol für Achtsamkeit, Präsenz und Verbundenheit in schamanischer Energiearbeit